Wusstest du, dass Schlafentzug eine Foltermethode ist? Von der Internationalen Staatengemeinschaft geächtet, in den Genfer Konventionen scharf verurteilt… aber dein Chef weigert sich – Achtung: Kalauer – ein Auge zuzudrücken und dir, etwas Schlaf im Büro zu gönnen – einen sogenannten Powernap! Es wird Zeit, ihn mit Zahlen und Fakten wachzurütteln.

Also gut, man kann sich keine Zerrung holen, wenn man ein Gähnen unterdrückt. Aber die Nebenwirkungen von Schlafmangel, sind pures Gift für eine nachhaltig effektive und erfolgreiche Arbeit im Büro.

Schlafforscher haben unlängst festgestellt, dass Schlafstörungen das Immunsystem schwächen und zu ernsten Erkrankungen führen können. Der emeritierte Leiter des Schlafmedizinischen Zentrums der Uni Regensburg, Jürgen Zulley betont: „Die geistige Leistungsfähigkeit lässt stark nach, wenn der Schlaf nicht ausreichend ist. Unser Gehirn wiederholt Lernvorgänge während des Schlafes, sodass wir am nächsten Tag über ein besseres Wissen verfügen.“

Ist der Schlaf gestört, gehört Müdigkeit zu den oberflächlichsten von vielen Symptomen. Zu wenig Schlaf mindert die Leistungsfähigkeit und steigert die Risiken für Unfälle und chronische Erkrankungen.

Im Gegenzug kann ein kurzes Nickerchen bei der Arbeit, die Gedächtnisleistung ankurbeln und die Produktivität heben. Schätzungen gehen davon aus, dass ein 30-minütiger Powernap das Konzentrationslevel für die folgenden 30 Minuten, auf bis zu 95% anhebt. Das ist eine Steigerung von über 20% im Vergleich zum Status Quo.

Veraltete Vorurteile

Wer ein Powernap im Büro machen will, wird als respektlos und faul stigmatisiert. Das ist genauso klischeehaft, wie alle Menschen mit großen Appetit, automatisch als zügellos und gefräßig abzustempeln. Das Absurde ist: es ist „normal“ ab und an eine Raucherpause einzulegen, aber sobald jemand für 5 Minuten die Augen schließt, wird er oder sie gleich schief angeguckt. Gleichzeitig schwärmen wir von der spanische Siesta, die von den Spaniern selbst immer kritischer gesehen wird. Viele von ihnen wollen sich nicht länger mit der täglichen Zwangspause abfinden, die ihren Arbeitstag spürbar verlängert.

Müdigkeit im Büro galt lange Zeit als Zeichen mangelnder Selbstdisziplin. Dabei ist es heute, vor allem die Kombination aus Stress und dem Zwang ständig erreichbar zu sein, die uns nachts wach liegen lässt. Hinzu kommt noch, das von LED-Bildschirmen erzeugte Licht. Zwar steigert es die Konzentrationsfähigkeit, unterdrückt parallel aber auch die Melatoninkonzentration im Körper und verkürzt damit erheblich die Schlafdauer.

Auch der Mythos, Frühaufsteher als einzig wahre Vorbilder und Leistungsträger anzupreisen, gehört längst eingemottet. Unser natürlicher Wach- und Schlafrhythmus wird schon in den Genen verankert. Die Frühaufsteher, stehen zeitig auf und gehen früh zu Bett. Die Langschläfer erreichen ihr Leistungshoch einfach etwas später, können dafür aber auch länger arbeiten. Entscheidend ist: wir können uns dem jeweiligen Arbeits- oder Sozialrhythmus anpassen, aber unser Naturell können wir nicht ändern.  Genau wie bei flexiblen Arbeitsmodellen, ist auch hier ein umfassendes, analytisches und vorurteilsfreies Umdenken seitens der Unternehmen gefragt. Es könnte sich lohnen.

Was uns die Müdigkeit kostet

Schlafmangel kann sich auf Dauer regelrecht verherend auf unsere Gesundheit auswirken. Und langsam dämmert es den Unternehmen, welche Kosten ihnen dadurch entstehen. Der Neurowissenschaftler Matthew Walker, schätzt dass uns Schlafmangel jedes Jahr an die 2% unseres Bruttoinlandsproduktes verschlingt. 

Lawrence Epstein, Direktor des Schlafmedizinischen-Programms am Brigham & Women’s Hospital in Boston und Dozent an der Harvard Medical School, sagt: „Addiert man die Folgen verminderter Produktivität, Fehlzeiten und Präsentismus [wenn Mitarbeiter bei der Arbeit unproduktiv sind], werden die Kosten von Schlafstörungen In den USA auf mehr als 100 Milliarden US-Dollar geschätzt.“ Und laut einer Studie des Harvard Medical School Forschers, Ronald C. Kessler, belaufen sich die Kosten bei einem durchschnittlichen amerikanischen Arbeiter jährlich auf 11,3 Tage und $ 2.280 an verlorener Produktivität. Hält man den Aufwand eines kurzen Powernaps im Büro dagegen, kommen wir auf ein sattes Plus zugunsten von Produktivität, Mitarbeiterzufriedenheit und -gesundheit.

Sleeping Pods

gehören zu den effizientesten und innovativsten Lösungen im Büroalltag. Unternehmen wie Google setzen auf die bewährten „Schlafkapseln“, um die Konzentration ihrer Mitarbeiter auf einem konstant hohen Niveau zu halten und ihnen die idealen Rahmenbedingungen, für einen spontanen, kurzen und erholsamen Schlaf zu bieten. Besonders Aufgaben die eine kreative oder unkonventionelle Herangehensweise verlangen, profitieren von dem wachen Geist und aufgeschlossenen Wesen, eines ausgeschlafenen Mitarbeiters. Die verschiedenen Modelle der Sleeping Pods richten sich vorrangig an die Anforderungen der jeweiligen Unternehmen. Dabei unterscheiden sich eher in Puncto Ausstattung und Design als beim Komfort.

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Powernaps und Sleeping Pods sind sicher kein Allheilmittel für Stress und Müdigkeit bei der Arbeit. Allerdings sind es einfache und wirkungsvolle Optionen, um Fehler zu minimieren und die Konzentration, Produktivität, Zufriedenheit und Gesundheit ihrer Mitarbeiter dauerhaft zu verbessern.

Autor: Oleg Farber

Bilder; ArchdailyHigh50, Dezeen

 

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