Die Küche ist wie ein Magnet, der uns immer wieder anzieht und für Stunden festhalten kann. Zuhause gehört sie zu den wichtigsten Räumen, in das wir viel Zeit und Herz investieren. Im Büro galt sie dagegen lange Zeit als reiner Funktionsraum, der mit einem Minimum an Ausstattung und Annehmlichkeiten auskommen musste. Dabei war sie schon immer der soziale Mittelpunkt und Lieblingsraum aller Angestellten. Heute haben die Unternehmen längst begriffen wie elementar ihre Rolle als Erholungsraum, Treffpunkt und Ideenschmiede für das Unternehmen ist.

Fast alle Ideen entstehen am Reißbrett oder am Computer, aber die Inspiration dafür überkommt uns oft an einem anderen Ort. Die besten Zutaten für ein gute Idee sind Zufall und ein unbefangenes Gespräch. Und die Büroküche ist der ideale Begegnungsort, um beide Komponenten in einer entspannten Atmosphäre zusammenzubringen.

Damit ihre Mitarbeiter ins Gespräch kommen und sich besser vernetzen, versucht Google solche „gelegentliche Kollisionen“, möglichst häufig, in einem geeigneten Raum anzustoßen. Deshalb ist kein Teil des Google-Campus in New York, weiter als 45 Meter von einem Café, einer Küche oder einer Snackbar entfernt. Dabei gibt es allein im New Yorker Büro vier große Cafeterien und 35 „Mikroküchen“. Sergey Brin besteht darauf, dass jeder Google-Mitarbeiter nicht mehr als 60 Meter für einen kostenlosen Snack zurücklegen muss. Das Konzept dahinter ist relativ einfach: vom Administrator bis zum Social Media Manager – das Essen bringt alle an einen Tisch.

Diesem Gedanken setzte die Londoner Werbeagentur Mother ein regelrechtes Monument. Die Agentur startete mit 6 Leuten, die an einem Küchentisch saßen. Als Clive Wilkinson Architects ihre Büros 2004 neu gestalteten, bauten sie einen Tisch mit 200 Sitzen, der den AIA Honor Award gewann. In einem Interview mit AdWeek sagte der Partner Matthew Clarke: „Es schafft eine Kultur der Offenheit. Wir bewegen uns ständig weiter und es bleibt keine Zeit, Cliquen zu bilden und sich an die Abteilungen zu binden. Das hält die Dinge wirklich frisch. Es kann vorkommen, dass ein leitender Kreativer nach einem Musikvorschlag sucht und ihn von einem Buchhalter bekommt. Jeder ist in den kreativen Prozess involviert.“1

Jellyfish Office
WeWork Paddington Office
Droids on Roids Office

Von der Kaffeeecke zum Multifunktionsraum

Viele Unternehmen sehen sich als eine große Familie. Kein Wunder, dass immer mehr von ihnen auf ein Bürodesign setzen, dass sich an einem Zuhause orientiert. Natürlich darf es hier nicht an einer geeigneten Küche fehlen, in der sich alle wohlfühlen, kochen, entspannen und austauschen können.

Früher reichte es den Mitarbeitern, hier einen Kaffee zu trinken und sich eine kleine Pause vom Bildschirm zu gönnen. Heute gehen die Unternehmen von sich aus einige Schritte weiter und stellen die Küche ins Zentrum ihres Designs. Angetrieben von der Kaffeemaschine wird sie offiziell Herz und Seele des gesamten Büroraums.

Barnaby Lashbrooke, der Gründer der Plattform Time etc für Virtuelle Assistenz, sieht Küchen als gesellige Orte. Für ihn beginnt Geselligkeit immer mit einem Getränk: sei es Kaffee, Wasser oder etwas Stärkeres. „Mein Team geht regelmäßig in die Küche, um aus dem üblichen Arbeitsbereich auszubrechen und hier zusammenzuarbeiten. Und die meisten Spezialisten aus dem kleinen und mittleren Unternehmenssegment, haben ihre Gemeinschaftsräume um eine offene Küche herum gestaltet. Das ist kein Zufall, sondern Teil der neuen Arbeitsplatzkultur, die eine bessere Vernetzung fördert.“2

Auch die Technologieberatung Stone Junction hat mit ihrer Küche einen warmen und einladenden Raum geschaffen. „Wir haben einen großen Raum mit einer großen Frühstücksbar, die den Kochbereich und Chillout-Raum mit Liegestühlen für entspannte Treffen, Kickern, 80er Computerspiele und Musikhören trennt“, sagt der Geschäftsführer Richard Stone.3

Es ist wichtig, die Mitarbeiter zu ermutigen sich regelmäßig auszutauschen, und ihre körperlichen und geistigen Akkus aufzuladen. Und es ist relativ einfach, die Küche in einen kreativen Meetingraum und gleichzeitig in einen entspannten Ruheraum zu verwandeln, solange man beide Bereiche klar voneinander trennt. Die Büroküche eignet sich für schnelle und unkomplizierte Team-Updates und kann als abteilungsübergreifender Treffpunkt fungieren, wo alle Mitarbeiter und Hierarchien zusammenkommen. Sie ist ein wichtiger Faktor, wenn es um die Gesundheit, Produktivität und das Wohlergehen der Mitarbeiter geht. Denn nur wer ausgeglichen und zufrieden ist, kann auch dauerhaft sein volles Potenzial ausschöpfen.

 

Autor: Oleg Farber

Bilder: Officesnapshots

Titelbild: WeWork, Hongkong

Quellen:

1 http://www.adweek.com/brand-marketing/spatial-relations-95184/

2 , 3 http://www.telegraph.co.uk/connect/small-business/scaling-up/staples/why-office-kitchen-is-heart-of-an-sme/

 

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