Keine Frage, die Technik ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Und wenn wir aufgefordert werden, uns ein modernes Büro in 10 – 20 Jahren vorzustellen, malen wir uns automatisch futuristisch designte Räume voller Hi-Tech aus. Gleichzeitig zeichnet sich aber auch ein anderer Trend ab, denn immer mehr Büros ähneln einem Zuhause. Warum sollte ein modernes Büro der Zukunft dann nicht komplett heimisch aussehen, oder gar den rustikalen Charme einer Ski-Hütte haben?

Das wird ein ganz gemütlicher Beitrag, also lassen wir heute die Studien und Zahlen außen vor.

Früher ging es bei der Büroplanung und -ausstattung nahezu ausschließlich um Effizienz. Natürlich gab es noch den repräsentativen Aspekt, der den Unternehmenserfolg im Design widerspiegeln sollte. Aber es waren vor allem standardisierte Arbeitsplätze die das Büro prägten. Kurz gesagt: selbst mit geschlossenen Augen konnte man eine klare Trennlinie zwischen Arbeit und Zuhause ziehen.

Die Arbeitgeber verstanden zunehmend, dass eine gesunde Atmosphäre in der sich die Mitarbeiter wohlfühlen und dementsprechend motivierter sind, auch produktiver ist. Und wie Dorothy, aus dem Zauberer von Oz, schlugen sie die Hacken zusammen, sagten: „Es ist nirgendwo so schön wie daheim.“ und die ersten heimischen Einrichtungsgegenstände zogen ins Büro.

Aber es waren die kleinen progressiven Start-Ups, die es in ein Zuhause verwandelten. Ihre Arbeitsräume sahen wie eine Mischung aus Wohnzimmer und Spielwiese aus. Der Erfolg gab ihnen recht und aus dem Kuriosum wurde ein Trend.

Mittlerweile scheint die Trennlinie zwischen Arbeit und Büro, nicht nur beim Design stärker zu verschwimmen.

Honest Company – LA
Honest Company – LA

 

Work-Life-Integration statt Work-Life-Balance

Beide Konzepte stehen für ein gesundes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben. Allerdings zieht die Work-Life-Balance eine klare Grenze zwischen ihnen, während die Work-Life-Integration versucht, sie optimal zu verbinden. Dazu gehört beispielsweise eine bessere Arbeitszeitanpassung an die momentane Lebenssituation, oder das Unternehmen stellt passende Einrichtungen, um Beruf und Familie besser zu vereinbaren.

Die absoluten Vorreiter des letzten Modells, sind die Technologiegiganten des Silicon Valley. Hier haben Google, Facebook und Co ihre Büros in eine Mischung aus Zuhause und Ferienresort verwandelt. Die Mitarbeiter werden umsonst in den eigenen Küchen bekocht, können in den Fitnessstudios Sport treiben, in Ruheräumen schlafen, im Garten arbeiten oder sich in den Parks und Spielzimmern austoben. Darüber hinaus stehen ihnen Ärzte, Friseure, Masseure, Kinos, Restaurants und Autoparks direkt auf dem Arbeitsgelände zur Verfügung.

Fast alles was sie Zuhause haben, bekommen sie vor Ort ohne das Arbeitsareal verlassen zu müssen. Das erklärte Ziel dieser Konzerne: Sie möchten ihre Angestellten entlasten und ihnen den Stress und die Ablenkungen des Alltags abnehmen. Und sie wollen sie an sich binden, indem Sie einen Ort schaffen, den ihre Mitarbeiter nicht mehr verlassen wollen.

In einem Interview sagte Larry Page: „Es ist wichtig, dass das Unternehmen eine Familie ist, dass die Menschen sich als Teil des Unternehmens fühlen und das Unternehmen wie eine Familie für sie ist.“1.

Dabei vergessen sie (vielleicht bewusst), dass so die sozialen Kontakte außerhalb des Unternehmens zu kurz kommen können. „Jeder Aspekt meines Lebens ist mit der Arbeit verbandelt, inklusive meines gesellschaftlichen Lebens und der Partnersuche“, sagt ein ehemaliger Google-Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte2.

Nun, die Experten sollen sich damit herumschlagen, welches Arbeits- und Lebensmodell das bessere ist. Kommen wir lieber zu dem Punkt, warum ein häuslich eingerichtetes Büro eine verdammt coole Alternative ist.

Geometry Global Office

Individuell und Willkommen

Es gibt Räume in denen wir uns einfach wohlfühlen. Sie schaffen eine unverwechselbare Atmosphäre, zu der wir immer wieder zurückkehren wollen. Zum Beispiel eine gesellige Küche in der wir unser Essen genießen. Sie ist das beste Rezept für ein besseres Zusammengehörigkeitsgefühl. Vollausgestattet bietet sie auch im Büro, die Möglichkeit Kollegen beim gemeinsamen Kochen kennenzulernen.

Ein kahler Konferenzraum bietet zwar wenig Ablenkung, aber auch wenig Inspirationen. Beeindruckt Eure Kunden mit einer klassisch eingerichteten Bibliothek, in der ihr wie ein Bondbösewichte, gemeinsam große Pläne schmieden könnt.

Eine Yoga- und Fitnessecke ist ideal, um Stress abzubauen und die Mitarbeiter fit zu halten. Das wirkt sich positiv auf die Produktivität aus und reduziert Fehlzeiten.

Und gibt es etwas Besseres, als die Personal- und Gehaltsgespräche in einem traditionell eingerichteten Kaminzimmer zu führen? Die angepeilten 5% Prozent Gehaltserhöhung sind dieses Jahr nicht machbar – in welchem Raum könnte man das besser verkraften? Schmeißen wir noch ein Holzscheit nach und reden stattdessen über die geplante Fortbildung.

Vielleicht sieht das Büro der Zukunft eher wie ein gemütliches Zuhause im Retrolook aus. Die Technik wird sicherlich nicht fehlen. Sie wird nur nicht so offenkundig präsent sein. Dann wird der Server oder Sensor halt in einer Schweizer Kuckucksuhr versteckt. Eins ist dabei wirklich sicher: ein individuell designtes Büro hat mehr Klasse und wird sich immer hervorheben.

We are Social
We Work Tower Bridge

 

Autor: Oleg Farber

Bilder:

Officesnapshots

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1,2 http://www.manager-magazin.de/unternehmen/it/google-facebook-evernote-verwoehnen-mitarbeiter-mit-wellness-a-963437-2.html

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