Der Lärm, den ich mache, stört mich nicht. Da bin ich wirklich tolerant. Nervig wird’s eigentlich nur, wenn es die Anderen tun. Aber wie soll man diesen Egoisten klarmachen, dass wir hier im Büro und nicht auf dem Basar sind? Zum Glück gibt es heutzutage innovative Akustiklösungen, mit denen man in Ruhe arbeiten kann.

Offene Büroflächen bieten zahlreiche Vorteile: Sie sind hell, kommunikativ und platzsparend. Hier schreit geradezu alles nach Kollaboration und flachen Hierarchien. Leider können sie mitunter ziemlich laut werden.

Mehrere Studien zeigen, dass zu viel Lärm im Büro sich negativ auf die Produktivität auswirkt und den Stresslevel erhöht. Gleichzeitig sinken Zufriedenheit und Arbeitsmoral der Mitarbeiter. Untersuchungsergebnisse zeigen auch, dass 49% der Menschen Schwierigkeiten haben, sich in einer lauten Umgebung zu konzentrieren. Darüber hinaus errechneten die Experten, dass wir durchschnittlich 86 Minuten pro Tag durch solche Ablenkungen verlieren.

Forscher an Universität Sydney fanden gar heraus, dass der Mangel an akustischer Privatsphäre zur größten Frustration bei den Mitarbeitern führt.

Kein Wunder, dass ich mich nicht vernünftig konzentrieren kann. Doch bevor mein Wehklagen die Luft zerreißt und den Geräuschegel weiter hochschraubt, halte ich die Backen und beschließe mich lieber mit folgenden Ideen bei meinen Chefs beliebt zu machen:

Center of the built environment, Jungsoo Kim & Richard de Dear, University Sydney

 

  1. Lärmfreundlicher Bodenbelag

Harte Bodenbeläge wie Naturholz, Porzellan und Keramik sind vergleichswese laut. Ein Teppich würde die Geräusche besser dämpfen und den Umgebungslärm erheblich reduzieren. Vinyl-Bodenbeläge sind eine noch bessere Alternative. Neben ihren Schallabsorptionseigenschaften sind sie sehr pflegeleicht und bieten vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten.

 

  1. Fokusräume

Spezielle Fokusräume eignen sich ideal für konzentriertes Arbeiten. Es gibt sie in verschiedene Größen und Ausführungen, die von einer „Telefonzelle“ bis zum „Mini-Konferenzraum“ reichen. Sie zeichnen sich u.a. durch eine autarke Stromversorgung aus und schirmen die Nutzer fast vollständig ab. Diese „Raum im Raum“ Konzepte können individuell angepasst und ausgerüstet werden und lassen sich leicht in offene Büroflächen integrieren.

Gleichzeitig sollte man Räume schaffen, in denen die Mitarbeiter laut sein können und sich frei austauschen können. In den meisten Büros übernehmen automatisch Küchen und Terrassen diese Rolle. Allerdings kann es förderlich sein, ein separates Spiel- oder Ideenzimmer einzurichten.

 

Naked Hub New Street Coworking Offices – Hongkong
Iron Sournce Office – Tel Aviv
  1. Geräuschabsorbierende/-reflektierende Möbel

Mittlerweile gibt es eine sehr große Auswahl an stilvollen und schallreduzierenden Möbeln. Sofas mit hohen Rückenlehnen, die durch ihr Design und Materialien störende Umgebungsgeräusche regelrecht schlucken. Manche Modelle sind als geschlossenen Kabinen entworfen, um den Nutzern noch mehr Schutz und Privatsphäre zu ermöglichen.  

 

  1. Trennwände und Wandpaneele

Schalldämmende Wandpaneele sind sehr effektiv und können flexibel im Büro verteilt werden. Sie bieten einen exzellenten Lärmschutz und können gleichzeitig als optische Aufwertung fungieren. Dabei gibt es sowohl transportierbare Trennwände, als auch Wandverkleidungen die direkt an den Wänden angebracht werden. Mansche Paneele sind so dünn, dass sie sogar an Hängeleuchten aufgehangen werden können.

Zu den echten Highlights gehören das gemeinsame Projekt von Google und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT): die “Transformable Meeting Spaces”. Durch die Verwendung von gewebten und transformierbaren Materialien können sich, temporäre Besprechungsräume sekundenschnell ausdehnen und zusammenziehen, um einen Raum für sechs bis acht Personen zu schaffen.

https://vimeo.com/183045783

 

  1. Pflanzen

Lange Zeit belächelt, entdecken immer mehr Unternehmen, das produktive Potential von Büropflanzen für sich. Pflanzen können dazu beitragen, die Luftqualität, Gesundheit und das Wohlbefinden zu verbessern. Neben ihren ästhetischen Vorteilen bieten sie auch etwas Lärmschutz und können, bei einer strategisch guten Platzierung ziemlich effektiv sein. Dabei gilt die Devise: viel hilft viel.

 

  1. Spezielle Geräuschfrequenzen

Man könnte sagen hier wird Feuer mit Feuer bekämpft. Die Firma Cambridge Sound Management hat kleine Emitter entwickelt, die im Raum verteilt werden und ein Umgebungsgeräusch aussenden. Die Frequenz ist speziell auf das „menschliche Sprachrauschen“ abgestimmt. Das Ganze klingt wie ein stetiger, leiser Luftstrom der die Dialoge durch eine zusätzliche Geräuschkulisse „tarnt“ und überdeckt. Dadurch wirken sie weiter weg und weniger verständlich – was sie aber auch weniger „störend“ macht.

https://www.youtube.com/watch?v=SPunajSCHf8

 

  1. „Helmfon“

Dieses Meisterstück der ukrainischen Firma Hochu Rayu gehört zu meinen absoluten Favoriten. Warum soll ich mich mit den obligatorischen Kopfhörern oder Ohrstöpseln begnügen, wenn ich eine innovative Kombination aus beiden haben kann? Außerdem bietet sie mir einen zusätzlich Sicht- und soliden Kopfschutz (falls mir eine Pflanze, Trennwand oder Paneel auf den Kopf fällt). Ihr einziger Nachteil: sie ziehen soviel Aufmerksamkeit auf sich, dass man vor lauter Fragen nicht zum Arbeiten kommt.

„Helmfon“ by Hochu Rayu

Es scheint, als wäre das Leben ohne Lärm erheblich langweiliger. Aber vielleicht fehlt mir einfach etwas Schlaf. Dann sollte ich versuchen noch einen „EnergyPod“ für mich rauszuschlagen.

„Energy Pod“ by Metronaps

 

Autor: Oleg Farber

 

Bildquellen:

Officesnapshots

https://hbr.org/2015/03/stop-noise-from-ruining-your-open-office

https://www.designboom.com/technology/hochu-rayu-helmfon-ukraine-06-30-2017/

http://www.bitrebels.com/technology/napping-energy-pod-sleep-at-work/

 

Quellen:

https://parterreflooring.com/10-ways-to-reduce-office-noise/

http://blog.supahands.com/reduce-noise-open-office/

https://hbr.org/2015/03/stop-noise-from-ruining-your-open-office

https://www.networkworld.com/article/3128376/leadership-management/shut-up-shut-up-shut-up-how-gadgets-and-tech-are-reducing-open-office-noise.html

 

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