Bürodesign wird oft zu oberflächlich betrachtet. Für viele Unternehmen ist es ein Thema, das ganz weit unten auf ihrer Agenda rangiert. Für sie ist es bloß ein Zeichen von Prestige, mit dem sich Start-Ups und große Unternehmen profilieren wollen, anstatt die Ärmel hochzukrempeln und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Diese Firmen sehen zwar die Trends, aber sie setzen sie nur halbherzig und mit minimalem Aufwand um. Nur leider ist ein Kicker kein vollwertiger Ersatz für Sport und ausreichende Bewegung im Arbeitsalltag. Aber ein gesundes Büro ist kein kurzweiliger Trend, sondern eine langfristig lohnende Investition für das Wohlergehen der Mitarbeiter.

Warum investieren Start-Ups und große Unternehmen seit Jahrzehnten immer mehr Zeit und Ressourcen in dieses Thema? Weil es „trendy“ ist? Weil man mit modernen Büros gut angeben kann? Oder ist es doch eine ernstzunehmende Investition, die sich vielfach auszahlen kann? Vielleicht ist es an der Zeit, genauer hinzuschauen und es von einer anderen Seite zu betrachten. Zum Beispiel unter dem Gesichtspunkt „Gesundheit und Wohlergehen der Mitarbeiter“.

In der modernen Gesellschaft haben sich Routineaufgaben größtenteils auf Maschinen und Computer verlagert. Besonders im Büro sind die Menschen längst keine einfachen Arbeitsinstrumente mehr. Sie sind Wissensarbeiter, die ihr ganzes Können und Potential in das Unternehmen einbringen. Und damit sind sie seine wichtigste Ressource, auf die in der Regel auch 90% der Betriebskosten anfallen. Die Frage lautet also: Betrachten und verallgemeinern wir den „menschlichen Faktor“ als Fehlerquelle, die es zu ersetzen gilt, oder steigern wir die Produktivität und senken gleichzeitig Fehlzeiten, Personalfluktuation und medizinische Kosten?

Ein gesundes und grüneres Büro

Im Oktober 2016 veröffentlichte die Organisation World Green Building Council (WGBC) eine Studie über die Zusammenhänge von Mitarbeiterproduktivität und einem gesundem und umweltfreundlichen Bürodesign. Im Rahmen der Studie wurden der wirtschaftliche Nutzen in 15 Unternehmen aus verschiedenen Branchen und Ländern, die ihre neuen Büros nach dieser Maxime ausrichteten, untersucht. Die Ergebnisse zeigten eine klare Verbesserung in puncto Gesundheit und Wohlbefinden, und förderten ein paar überraschende Zahlen zugunsten dieses ganzheitlich mitarbeiterorientierten Designs.

Dabei hat WGBC acht Faktoren ermittelt, die ein gesundes und umweltfreundliches Büro ausmachen und sich produktivitätsfördernd auswirken.

Luftqualität und Belüftung

Ein gut belüftetes Büro weist deutlich geringere Schadstoff- und CO2-Konzentrationen auf. Verschiedene Untersuchungen zeigten, dass kognitiven Fähigkeiten dadurch, um bis zu 101% verbessert werden können. Das bedeutet Informationen können schneller verarbeitet werden. Außerdem fördert es kreatives Denken und sorgt für höhere mentale Leistungsfähigkeit.

Thermischer Komfort

Allein die falsche Temperatur kann die Mitarbeiterleistung erheblich mindern. Forscher haben herausgefunden, dass sie um ca. 4% fallen kann, wenn es im Büro zu heiß ist. Ist es zu kalt, sind es sogar bis zu 6%. Bevor Sie jetzt die Fenster zum Lüften aufreißen und sich für das kleinere der beiden Übel entscheiden: moderne Heizung- und Lüftungssysteme lassen sich relativ einfach nachrüsten und sparen auf lange Sicht eine Menge Kosten.

Licht

Ein gesundes Büro, sollte mit einer individuell regulierbaren Beleuchtung ausgestatten sein und nicht mit Zugängen zu natürlichem Tageslicht geizen. Die Mitarbeiter bedanken sich mit einer geringeren Fehlerquote und längeren Konzentrationsphasen.

Raumplanung und Ausstattung

Ob Großraum- oder Einzelbüros: sie alle brauchen kreative Ecken, Meeting- und Konferenzräume, sowie ruhige Bereiche für konzentriertes Arbeiten. Eine gute Raumplanung optimiert die Arbeitsprozesse und schafft Raum für die jeweilige Aufgabe. Das gilt auch für eine flexible und ergonomische Arbeitsausstattung, die sich voll und ganz an die individuellen Bedürfnisse der Nutzer anpasst.

Anstatt die Mitarbeiter, mit dem besagten Kicker oder Fitnessstudiorabatt abzuspeisen können integrierte Yoga- oder kleine Fitnessräume, die Mitarbeiter motivieren und gesundhalten. Der Versicherungskonzern Aetna schaffte damit, gestresste Mitarbeiter wieder zurück zu holen und seine Produktivität zu steigern.  

Auch eine innovative Ausstattung kann wahre Wunder bei den Angestellten wirken. Stehtische verbessern Fitness und Haltung, fördern die Durchblutung und helfen Volkskrankheiten, wie Rücken- und Kopfschmerzen vorzubeugen.

Biophilie

Grüne Büros machen die Menschen glücklich und steigern die Produktivität um sagenhafte 15%. Außerdem sorgen sie für eine ausgewogenere Luftfeuchtigkeit, lindern Stress und helfen bei der Konzentration. Wichtig ist, dass die Mitarbeiter sie möglichst von überall sehen können.

Stil, oder der ganzheitliche Look & Feel

Stil, Materialien und Farben spiegeln nicht nur die Unternehmenskultur wieder. Die visuellen und haptischen Aspekte wirken sich unterbewusst, aber auch messbar auf Stimmung und Leistungsfähigkeit aus.

Lage und Annehmlichkeiten

Sicherlich gehört die Lage zu den kostspieligsten Variablen in dieser Gleichung. Hier kann der Zugang zu den öffentlichen Verkehrsmitteln und ausreichend Parkmöglichkeiten eine Menge Zeit und Stress sparen. Natürlich sind viele Unternehmen mit ihrem Büro gewissermaßen verwurzelt und können nicht einfach mal den Standort wechseln. Umso wichtiger ist es den Angestellten kleine, wohlverdiente Annehmlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Das kann ein Duschraum oder einfach frisches Obst und Gemüse sein.

Fazit

Die Studie des WGBC zeigt anhand konkreter Zahlen und Beispiele, wie produktiv und profitabel ein gesundes Office-Design sein kann. Natürlich gibt es wichtigere und dringlichere Anliegen, die die Führung eines Unternehmens mit sich bringt. Aber sie zeigt auch, dass es sich lohnt auch andere Faktoren als neue Softwarelösungen in Betracht zu ziehen, um die Effizienz und Produktivität anzukurbeln. Das Wichtigste bleibt dabei dennoch gleich: stets das Wohlergehen und Potenzial der Mitarbeiter zu fördern.

 

Autor: Oleg Farber

Bilder: Officesnapshot

 

 

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