Vor 35 Jahren sagte die Mehrheit der Experten voraus, dass wir heute fast alle Schreibtischjobs im „Homeoffice“, dem Strand oder Café erledigen würden. Die flexiblen Arbeitsmodelle waren im Kommen, nur die Technik war noch nicht ganz ausgereift. Nun, beim technischen Fortschritt haben sie recht behalten.

Nur die flexiblen Arbeitszeitmodelle, wie das Homeoffice haben sich nicht überall durchgesetzt. Dennoch glauben noch immer viele Experten daran, dass wir in Zukunft deutlich weniger Zeit im Büro verbringen werden. Dank der fortschreitenden Digitalisierung und der zunehmend flächendeckenden Internetverbindung, können wir unser „virtuelles Büro“ eigentlich längst überall aufschlagen.

Irgendwie erinnert das Ganze an den Elektroautotrend – sie sind seit Jahren da und definitiv im Kommen, nur kommen sie irgendwie nicht bei den meisten an.

Nach aktuellen Einschätzungen können in jedem dritten deutschen Unternehmen, die Mitarbeiter ganz oder teilweise im Homeoffice arbeiten. Das entspricht einer Steigerung um 10 Prozent gegenüber 2014, als der Anteil noch bei ca. 20 Prozent lag1. Dem gegenüber wollen knapp 62 Prozent der Arbeitnehmer, einige Tage pro Woche oder auch komplett von Zuhause arbeiten.

Dabei steht Homeoffice heutzutage längst nicht nur für die Arbeit von Zuhause. Es ist ein Sinnbild für ein flexibles und ortsunabhängiges Arbeitsmodell, das eher mit dem Begriff „Working anywhere“ beschrieben werden kann. Aber bleiben wir bei dem Begriff „Homeoffice“ und sehen uns an, von welchen Entwicklungen und Tendenzen es beeinflusst wird.

naked Hub New Street Coworking Offices – Hong Kong
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Von Routineaufgaben zu kreativer Wissensarbeit

Der technische Fortschritt und die weltweite Arbeitsteilung führen seit knapp 200 Jahren zu einer Zunahme von wissensintensiven Tätigkeiten. Damit sind Beschäftigungen gemeint, die vorwiegend aus Wissens- und Denkarbeit bestehen und neue Probleme und Herausforderungen, durch nichtlineares Denken und Kreativität bewältigen müssen.

Mit der Einführung der Smartphones hat die mobile Internetnutzung explosionsartig zugenommen. Das Ergebnis ist eine immer bessere und flächendeckendere Internetverbindung. Zusammen mit der Verwendung von Laptops, Smartphones und neun Softwarelösungen können etliche Aufgaben ortsungebunden verrichtet werden. Das gilt vor allem für Jobs, die nicht an eine fixe Produktionsmaschine gebunden sind – also wissensintensive Berufe und Dienstleistungen.

Diese Mitarbeiter sind deutlich mobiler als früher und nicht mehr zwangsläufig an das Bürogebäude gebunden. Als weitere Alternative und Ausprägung von Homeoffice, stehen den Arbeitnehmern Coworking Spaces zur Verfügung, wo sie kurzfristig einchecken und die bestehende Infrastruktur nutzen können.

Aber was bringt diese Freiheit den Arbeitnehmern und Arbeitgebern?

 

naked Hub New Street Coworking Offices – Hong Kong
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Die Vorzüge flexibler Arbeit

Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation hat herausgefunden, dass Wissensarbeiter neben der Sinnhaftigkeit einer Aufgabe, vor allem durch den Selbstbestimmungsgrad ihrer Arbeit motiviert werden. Die Befragung zeigte auch, dass Mitarbeiter relativ frei über ihre Arbeitszeit und -mittel entscheiden können. Allerdings sind nur 20 Prozent räumlich flexibel.

OFFICE21 – Bedeutung der Autonomie für Wissensarbeit

Wissensarbeiter mit einem hohen Grad an Autonomie können ihr Arbeits- und Privatleben besser miteinander vereinbaren. Eine hohe zeitliche und räumliche Flexibilität führt zu mehr Engagement und Zufriedenheit, was sich wiederum positiv auf die Produktivität auswirkt.

Auch der Arbeitsort spielt eine wichtige Rolle. In einer weiteren Befragung zu Arbeitsweisen im öffentlichen Dienst gaben 54 Prozent der Teilnehmer an, das Homeoffice für konzentriertes und ungestörtes Arbeiten, bspw. an Konzepten oder Berichten zu nutzen. Das wirklich Interessante daran ist, dass über die Hälfte von ihnen in einem Einzelbüro arbeitet, wo sie eigentlich eine ideale Umgebung dafür haben. Fast scheint es, als ob ihnen hier der nötige kreative Funke fehlen würde.

Und tatsächlich ergab die Befragung, dass die Mitarbeiter die mehr als 10 Prozent ihrer Arbeitszeit an unterschiedlichen Orten verbringen, auch mehr Ideen entwickeln.

OFFICE21 – Working anywhere

Generell könnte man sagen, dass neue Orte uns eher zu Kreativität und neuen Ideen inspirieren. Gleichzeitig können wir Routinestrecken im Zug oder Flugzeug zur Abarbeitung von Routineaufgaben nutzen. Immer mehr Unternehmen schicken ihre Mitarbeiter gezielt in die Coworking Spaces. Hier profitieren sie vor allem von der organischen Kommunikation und den Potenzialen einer branchenübergreifenden Vernetzung. Was den Strand angeht… es wird sich wahrscheinlich keiner im Büro beschweren, wenn wir Mails im Urlaub beantworten. Aber manche Fragen sollten lieber unbeantwortet bleiben.    

Homeoffice – Karrierebremse und Auslaufmodell?

Ein weiteres Paradox ist der zunehmende Rückruf von Mitarbeitern zurück ins Büro. Zu den bekanntesten Beispielen gehören unter anderem IBM und Yahoo, die ihre Angestellten aufforderten wieder im Büro zu arbeiten. Was sich zunächst nach einer gleichberechtigten Win-Win-Situation für Arbeitnehmer und Arbeitgeber anhört, entpuppte sich in einer Studie der Stanford Universität, um einiges profitabler für die Unternehmensseite.

Trotz einer Leistungssteigerung von 13 Prozent durch die Arbeit im Homeoffice, wurde diese beachtliche Verbesserung nicht von den Führungskräften wahrgenommen, geschweige denn honoriert. „Obwohl jeder einzelne Heimarbeiter im Jahresschnitt rund 375 Dollar Mehrleistung brachte und dabei auch noch im Schnitt 1250 Dollar Bürokosten sparte (zusammen also mehr als 1600 Dollar Plus), gab es für die Betroffenen seltener Gehaltserhöhungen und weniger Beförderungen.2

Während Personaler, wie Liz Ryan von mangelndem Vertrauen und mehr Kontrolle auf Seiten des Managements reden, könnte auch eine ganz andere Firmenstrategie dahinterstehen. Firmen wie Apple, Facebook und Google wollen ihre Angestellten wieder an einem Ort zusammenbringen. Dafür rüsten sie ihre Büros mit eigenen Restaurants und Erholungsarealen aus. Außerdem bieten sie Ihren Mitarbeitern Services wie kostenloses Essen, Massagen, Wäscheservice oder Kinderbetreuung an. Und vielleicht ist das die Lösung, um die Vorteile beider Arbeitsmodelle miteinander zu vereinen.

Im Grunde bleibt uns nur ein sicherer Weg, um zu erfahren welches Orakel am Ende recht behält – die Zukunft wird es zeigen.

 

Text: Oleg Farber

Bildquellen:

Officesnapshots

https://www.office21.de/Office21/blog/office-21-forschung/die-bedeutung-von-autonomie-fuer-die-wissensarbeit

https://www.office21.de/Office21/blog/office-21-forschung/working-anywhere-home-office-co

 

Quellen:

1 https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Jedes-dritte-Untershynehmen-bietet-Arbeit-im-Homeshyoffice-an.html

2 https://karrierebibel.de/home-office-tipps/

 

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