Seit Jahrzehnten pendelt das Konzept offener Büroflächen zwischen Abgesang und Auferstehung. Die einen feiern es als Antriebsmotor für eine ganzheitliche und kreative Zusammenarbeit und Kommunikation. Die andere Fraktion sieht darin eine permanente Ablenkung, die die Konzentration und Produktivität unterminiert. Aber wie jedes große Dilemma ruft es auch großartige Ideen auf den Plan: Fokusräume, Denkzellen, Work Lounges, Telefonzellen.

Bevor wir auf die einzelnen Konzepte eingehen, lohnt es sich noch einen Blick auf die Hintergründe zu werfen. Seit dem 16. Jahrhundert orientierte sich die Planung und Aufteilung der Büroflächen an den Zellenbüros der florentinischen Uffizien. Mittlerweile gilt dieses Konzept in vielen Industrieländern als überholt, da es Hierarchiedenken und Bürokratie fördern soll, die Kommunikation und Zusammenarbeit erschwert und räumlich sehr unflexibel ist. In Deutschland gehören Zellenbüros allerdings immer noch zu den beliebtesten Büroformen, in denen die Arbeitnehmer mehr Privatsphäre und Ruhe genießen1.

Ironischerweise kann man die Uffizien auch als Geburtsstätte der Großraumbüros betrachten. Die florentinischen Banken verfügten, neben den Zellenbüros für die Führungsriege, auch über große Hallen. Hier wurden alle Routineaufgaben möglichst effizient erledigt – mehr wurde von den Arbeitern nicht verlangt oder gewollt. Der Grund warum sie dabei in einem großen offenen Raum saßen, gehört immer noch zu den wichtigsten Argumenten für ein Großraumbüro: es ist wesentlich günstiger.

Aber die Aufgaben und Ansprüche der Mitarbeiter änderten sich. Mitte des 20. Jahrhunderts wurden sie endlich nicht nur als „Mittel zum Zweck“, sondern zunehmend als „Knowledge Worker“ gesehen, die ihr Wissen und volles Potential in das Unternehmen einbringen sollten2.

Globant Office – Bogotá

 

Globant Office – Bogotá

 

Der Mauerfall im Büro

Die Idee zu einem offenen Büro (im heutigen Sinn) keimte um 1960 in Deutschland auf. Die in Hamburg entwickelte „Bürolandschaft“ sollte eine neue Raumstruktur mit kurzen Kommunikationswegen schaffen, die den Ideenfluss und eine abteilungsübergreifende Kooperation erleichtern sollte. Das Konzept fand immer mehr Anklang und breitete sich länderübergreifend, von den Ingenieurbüros und Denkschmieden auch auf andere Unternehmenszweige aus.

Heutzutage haben etwa 70% aller Büros in den USA offene Büroflächen3. Und der Trend einer offenen Arbeitsplatzgestaltung geht hier noch einige Schritte weiter. Konzerne wie Google und Yahoo haben ihre Strukturen und Räume noch weiter „geöffnet“ und setzen auf eine freie Arbeitsplatzwahl, ohne fix zugewiesene Räume und Tische. Nichts soll der wachsenden Kollaboration, organischen Kommunikation und der daraus beflügelten Kreation im Wege stehen.

Die anderen Vorteile offener Büros liegen klar auf der Hand. Falls Sie ein Problem haben sitzt der Teamleiter, oder jemand mit der passenden Lösung, nur ein paar Schritte weiter. Kurze Expressbesprechungen oder Brainstormings können, ohne großen Organisationsaufwand direkt am Arbeitsplatz abgehalten werden. Und sie sind immer auf dem neusten Stand, was wichtige Informationen betrifft, sei es die aktuelle Projektentwicklung oder der neueste Klatsch.

Doch seit der Einführung offener Bürokonzepte regt sich auch der Widerstand gegen sie.

 

Einheitsgröße, die keinem wirklich passt

Mit der fortschreitenden Verbreitung der offenen Bürokonzepte wurden immer mehr kritische Stimmen laut. Ja, die oben genannten Vorteile wurden unüberhörbar und spürbar umgesetzt. Aber sie brachten auch einen zunehmenden Lärmpegel mit sich. Laut der „Global Reports 2016″ Studie von Steelcase und Ipsos, werden Mitarbeiter in Großraumbüros alle drei Minuten abgelenkt und etwa alle elf Minuten unterbrochen. Durchschnittlich dauert es ungefähr 8 bis 23 Minuten, bis sie sich wieder komplett auf die jeweilige Aufgabe konzentrieren können. Es gibt zahlreiche Studien, bei denen die befragten Mitarbeiter sich über einen höheren Stresslevel, mangelnde Kontrolle über ihre Umgebung und Konzentrationsstörungen beklagen4.

Zur mangelnden Umgebungskontrolle zählen vor allem, die fehlenden Möglichkeit echten Einfluss auf das Licht und Temperatur zu nehmen. Jeder der jemals ein Fenster in einem Großraumbüro aufgemacht hat, kann ein Lied davon singen. Wer in einem Raum mit vielen Kollegen arbeitet muss einige individuelle Bedürfnisse zurückstellen.

Die Daten- und Analyseexpertin Dr. Nicole Millard, brachte das mit einem treffenden Satz auf den Punkt: “Das Problem mit Großraumbüros ist: sie sind ein einheitliches Größenmodell, dass keinem wirklich passt.“5

Das wohl berühmteste Zitat lieferte allerdings Johny Srouji, der Leiter der Prozessorentwicklung bei Apple, als er die Pläne zu den gläsernen Großraumbüros des neuen Apple Campus sah: „Fuck that, fuck you, fuck this, this is bullshit“2.

 

Der Raum im Raum

Viele Experten glauben die Zukunft des Büros liegt in einem hybriden Konzept – einer Raumplanung die sowohl Einzel-, als auch Großraum- oder Gruppenbüros sinnvoll unterbringt. Mit Rückzugsräumen, die ein ruhiges und individuelles Arbeitsumfeld ermöglichen, ohne viel Platz zu beanspruchen. Dabei gibt es diese Fokusräume längst in allen Größen und Variationen.

Ein führender Anbieter auf diesem Gebiet ist die Firma Steelcase. Für die Entwicklung ihrer „Quiet Spaces“ Produktreihe haben sie sich mit Susan Cain (Autorin von “Still: Die Bedeutung von Introvertierten in einer lauten Welt“) zusammengetan. Sie schätzt, dass 30% bis 50% der Bevölkerung introvertiert veranlagt sind und viel produktiver in einer Umgebung arbeiten, die ihnen die nötigen Konzentrations- und Rückzugsmöglichkeiten bietet6. Aber auch extrovertierte Persönlichkeiten, werden die Vorzüge dieser Produkte zu schätzen wissen.

Aber was zeichnet sie aus? Die Voraussetzungen der „Quiet Spaces“ Reihe lassen sich auch auf die Konkurrenzprodukte übertragen:

  • Die Freiheit allein zu sein und sich, ohne Ablenkung von der reizüberfluteten Arbeitsumgebung, konzentrieren zu können  
  • Die Kontrolle über Elemente des Arbeitsraums
  • Sensorische Balance: die Möglichkeit die Sinnesreize zu beeinflussen
  • Das Gefühl der Sicherheit: durch die Option nicht gesehen zu werden und andere nicht sehen zu müssen.   

 

Globant Office – Bogotá
Globant Office – Bogotá

Inspirationen in Produktform

Da der Platz im Büro oft knapp bemessen ist fangen wir mit den Produkten an, die die kleinste m2-Fäche haben.

Die Telefonzelle – der ideale Ort, um in Ruhe wichtige oder vertrauliche Gespräche zu führen. Je nach Hersteller und Ausstattung können sie über integriertes Licht, Lüftung sowie Strom- und USB-Anschlüsse verfügen. Der Clou: die Wände sind beschreibbar!

Mobile Work Lounge – diese von Steelcase entwickelte Variante fungiert wie ein schützender Kokon vor den visuellen Ablenkungen des Büros. Die einstellbare Sitz- und Arbeitsfläche passen sich den Bedürfnissen des Nutzers an. Das Highlight: der Sitz ist beheizbar!

Die Denkzelle – die sogenannten Think Tanks sind das Gesicht und Rückgrat der Fokusräume. Sie haben eine autarke Lüftung, Elektrik und alle nötigen Anschlüsse. Lieferbar sind sie in verschieden Größen und etlichen Ausstattungsvarianten und lassen sich schnell auf- und abbauen. Sie haben einen guten Schallschutz und Platz für mehrere Personen. Die wichtigsten Pluspunkte: alle Elemente sind flexibel und bis ins kleinste Detail planbar!

Die Meetingbox – die perfekte Rückzugsoase für Sie und ihr Team. Hier können alle in Ruhe denken, diskutieren und arbeiten, ohne einen Konferenzraum für 15 Leute zu blockieren. Die Krönung: es ist ein unabhängiges, kompaktes Äquivalent des begehrten Meetingraums!

 

Globant Office – Bogotá

 

Globant Office – Bogotá

 

Viele dieser Rückzugsräume sind mobil oder können ganz einfach in die bestehende Raumplanung integriert werden. Es sind innovative Produkte, die nicht nur den Führungskräften die nötigen Ruhe-, Konzentrations- und Produktionsräume verschaffen, die das Großraumbüro ihnen nicht geben kann. Und wie immer die Zukunft des Büros aussehen mag, sie werden bestimmt ein wichtiger Teil davon.

 

Text: Oleg Farber

Bild: Office Snapshots

 

Quellen:

1 https://karrierebibel.de/open-space-buero/

2 http://onthescreen.de/2017/10/22/buerogestaltung-buero-open-office/

3 https://www.talkboxbooth.com/

4 https://www.newyorker.com/business/currency/the-open-office-trap

5 http://www.telegraph.co.uk/science/2017/10/01/open-plan-offices-dont-work-will-replaced-coffice-says-bt-futurologist/

6 https://www.steelcase.com/research/articles/quiet-ones/

 

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