Licht und Farben sind ein essenzieller Bestandteil unseres Lebens. Dennoch spielen sie häufig eine untergeordnete Rolle, bei der Planung und Gestaltung im Büro. Die an sie gestellten Anforderungen werden schlicht auf „hell“ und „neutral“ reduziert. Dabei besitzen sie ein enormes Potenzial, dass die Arbeit positiv beeinflussen kann.

Weiße Wände und monotones Neonlicht. Bis heute bestimmen diese Relikte, eines ausschließlich kosten- und leistungsorientierten Denkens, den Arbeitsalltag in etlichen Büros. Aber erfüllt diese triste und spartanische Raumgestaltung wirklich ihren Zweck? Viele Studien beweisen, dass allein die Farben eine starke Wirkung auf das Unterbewusstsein haben und unsere Stimmung und Verhalten beeinflussen.

Wer schon mal eine blanke weiße Wand, auf der Suche nach der richtigen Idee oder Lösung anstarren musste, kennt dieses Gefühl der Erschöpfung und Leere. Permanente Erreichbarkeit, Druck und Überstunden zerren an unseren Kräften und begleiten uns Tag für Tag durch die Arbeitswoche. Hinzu kommt, dass viele Arbeitsplätze sehr trist gehalten sind und nach geraumer Zeit einfach demotivierend wirken. Dabei lässt sich der Wohlfühlfaktor, und mit ihm die Konzentration und Motivation, durch besseres Licht und abwechslungsreiche Farbgestaltung enorm steigern.

 

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Grundsätze der Farbpsychologie am Arbeitsplatz

Über 3.000 Probanden wurden In einer Studie der Hochschule für angewandte Kunst und Wissenschaft (HAWK) u.a. zur Farbwahl am Arbeitsplatz befragt. Die Ergebnisse zeigten, dass sich Farben wesentlich auf unsere Kommunikation, Konzentration und Erholung auswirken. Allerdings hängt die jeweilige Wirkung stark von den einzelnen Personen und ihrem kulturellen Hintergrund ab. Trotzdem konnten übereinstimmende Assoziationen bei bestimmten Farben herausgefiltert werden.

Studien der University of Hawaii kommen hierbei zu folgenden Ergebnissen:

Grün und Blau vermitteln ein Gefühl von Ruhe und Entspannung. Blau reduziert Stress, senkt den Blutdruck und kann zu erhöhter Konzentration und Produktivität motivieren. Grün entspannt die Augen und ist eine wahre Wohltat, wenn man zu lange auf den Bildschirm starren muss. Allerdings können dunkle Nuancen auch depressiv wirken.

Gelb und Orange werden mit Sonnenlicht assoziiert. Sie regen Kommunikation und Glücksgefühle an und eignen sich gut für Ruheräume, um neue Energie zu tanken. Allerdings sind sie auch anstrengend für die Augen und können, wenn sie zu hell sind, irritierend und frustrierend sein.

Rot ist anregend und stimulierend. Es kann die Pulsrate und Hirnaktivität erhöhen und kreative Prozesse vorantreibend. Allerdings sollte es eher als Sekundärfarbe genutzt werden, da rot auch Gefahr vermittelt und sehr viel Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Weiß ist stark reflektierend und kann die Augen ermüden. Es ist nicht gerade stimulierend und erzeugt eine Atmosphäre von Sauberkeit und Sterilität.

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Praktische Anwendungsbeispiele

Kalte Farben eignen sich gut für die Arbeit in der Buchhaltung oder Anwaltskanzlei, wo die Angestellten ruhig und entspannt agieren müssen. Blau- und Olivtöne fördern die Konzentration und helfen, den Stresspegel in einem Großraumbüro zu reduzieren. Rote Akzente können die Kreativität in einer Agentur ankurbeln oder dafür sorgen, dass niemand zu lange in der Kantine verweilt. Gelbe Farbnuancen bringen uns ebenfalls auf neue Gedanken, sollten aber eher in Ruheräumen zum Einsatz kommen.

Farben sollten in Büroräumen grundsätzlich sparsam eingesetzt werden, um die Mitarbeiter nicht abzulenken. Sie sind ebenso mit negativen wie positiven Gefühlen verbunden. Sie müssen Kontraste und Akzente setzen, die die Angestellten anregen und motivieren, anstatt sie „großflächig zu erschlagen“.   

Ob Konzentration, Kommunikation oder Ruhe: Farben signalisieren dem Gehirn unterschwellig, was von ihm verlangt wird. Sie schaffen die gewünschte kreative, ruhige oder seriöse Atmosphäre und sollten auch die Unternehmenskultur widerspiegeln.

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Die Leistung von Licht

Für den Menschen hat Licht drei essenziele Bedeutungen: es ermöglicht uns das Sehen, es beeinflusst unsere Emotionen und es hat eine nicht-visuellen Wirkung. Durch die Entdeckung neuer Lichtfühler im Auge stellten Forscher fest, dass Licht mit hohen Blauanteilen die Menschen aktiviert, während Licht mit wenig Blauanteilen, die entgegensetzte Wirkung auf uns hat. Das bedeutet, die Farbe des Lichts hat sowohl einen emotionalen als auch biologischen Einfluss auf uns.

Bei einem Experiment des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), stellten die Forscher fest, dass unser Gehirn bei hellem Licht mit hohen Blauanteilen leistungsfähiger ist. Obwohl es besser für die Arbeitsatmosphäre ist, da der Raum dadurch größer, reiner und anregender auf uns wirkt, führt es auf Dauer zu hohen Stressbelastungen und Leistungseinschränkung.

Die Lösung liegt in einer ergonomischen und individuell einstellbaren Beleuchtung, die auch das Tageslichtspektrum berücksichtigt.

Gemeinsam mit dem Lichtsystemhersteller Zumtobel hat das Fraunhofer-IAO ein Arbeitsplatzsystem mit modernster Beleuchtung entwickelt. Dank seiner neuartigen Lichtsteuerung passt es sich optimal an individuelle Aufgaben und Bedürfnisse an. Anstatt alle Mitarbeiter, in gängige Standards zu pressen ermöglichen sie ihnen, die Lichtverhältnisse individuell auf ihre Bedürfnisse und jeweilige Aufgabe einzustellen. Und warum sollte dieses System nicht die Ergonomie und Fehlervermeidung im Büro verbessern und bspw. Ingenieure oder Grafiker effektiver unterstützen?

Highlights in der Büroarchitektur

Ein grandioses Beispiel für die Verbindung von Licht und Architektur sind die Philips Lighting Offices in Eindhoven. Die großen und lichtdurfluteten Areale werden von einem parametrisch designten „Baum“ gekrönt. Etwa 1.500 pyramidenförmige Paneele umspannen beinah das gesamte Deckengewölbe. Sie erschaffen eine organische Struktur mit beweglichen „Blättern“, die sowohl Sonnen- als auch künstliches Licht im gesamten Komplex reflektieren und verbreiten.   

Dadurch erzeugen sie eine natürliche und wechselnde Beleuchtung, die unserem Körper bei einer konstanten künstlichen Beleuchtung fehlt. Das Design symbolisiert die vernetzte und nutzerorientierte Ausrichtung von Philips und fördert die Kommunikation, die Produktivität und das Wohlbefinden der Mitarbeiter. Das erklärte Ziel des Projekts ist die Stärkung der ganzheitlichen Kreativität, durch die Schaffung verschiedener Räume und Lichtverhältnisse, die den Mitarbeitern Raum für Konzentration, Leistung, Ruhe und einen regen Gedankenaustausch geben.

Natürlich sind solche innovativen und intelligenten Lichtsysteme noch sehr kostspielig in der Anschaffung. Allerdings werden sie sich auf lange Sicht, durch Energie- und Wartungseinsparungen rentieren. Und auch wenn die steigende Produktivität und Kreativität nicht als metaphorische Glühbirne über den Köpfen den Mitarbeiter aufleuchtet, macht sich gute Licht und Farbgestaltung spätestens bei der steigenden Arbeitsqualität und den sinkenden Krankmeldungen bemerkbar.

Phillips Licht Konzept
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Phillips Licht Konzept
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Licht Konzept

 

Text: Oleg Farber

Bilder: gefunden auf Officesnapshots.com

 

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