Habe ich das Licht ausgeschaltet? Sind alle Fenster zu? Kaum hat man die Wohnung verlassen, den morgendlichen Sprint zur Bahn hingelegt und den letzten freien Sitzplatz ergattert, fangen die Gedanken an zu kreisen. Einmal im Kopf, geben sie keine Ruhe und es heißt nicht selten zurück auf Los. Wenn man dagegen der Intuition doch misstraut, trifft Murphy´s Law voll ins Schwarze. Wie schlau Technologien jedoch wirklich sind zeigen so genannte Smart Homes und Büro’s.  Sie interagieren das eigene Zuhause mit dem Smartphone oder Tablet. Über Apps können nebenbei schnell remote die Lichter ausschalten oder Türen geschlossen werden. 

Zugegeben ganz billig ist so eine Upgrade in das digitale Wohnzeitalter derzeit noch nicht, aber im Endeffekt spart man sich Nerven, langfristig Energie und Kosten und sorgt für mehr Sicherheit und Wohnkomfort im eigenen Zuhause. Neuesten technischen Gadgets ist es zu verdanken, dass die Geräte von sich aus Fehler oder Leerstände melden und eigenständig Produkte nachbestellen oder Reinigungen und Wartungen durchführen. Fehlender Kaffee am Morgen gehört damit endgültig der Vergangenheit an!

Vom Smart Home zum Smart Office

Bis zum Smart Home Assistant, wie etwa Javis, entwickelt von Mark Zuckerberg, einer AI die eigenständig Entscheidungen trifft, ist es zwar massentauglich noch ein weiter Weg, aber mit der Freigabe der Programmierungscodes kann sich jeder Zuhause als Tüftler versuchen. Was aber passiert, wenn die Bedürfnisse von vielen Personen in einem Raum aufeinander prallen, wie etwa im Büro? Wer bestimmt dann über Wohlfühltemperatur und optimale Lichtverhältnisse?

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Carlo Ratti’s Office 3.0 lässt die persönliche Raumtemperatur bestimmen, die einem wie eine Wolke durch das Büro folgt.

Technik und Architektur verbinden sich

Der italienische Architekt Carlo Ratti beschäftigt sich in seinem Turiner Büro schon seit geraumer Zeit mit neuen Technologien und findet mit seinen bahnbrechenden Entwürfen weltweit Beachtung. An hochwertiges Designs und raffinierte architektonischen Lösungen arbeiten die interdisziplinären Pioniere hier ebenso wie an futuristischen technischen Gadgets, die zukünftig unseren Alltag erleichtern. So entwickelte das Büro zusammen mit dem Tech Startup Mark Shark 2014 die „Bionic Bar“. Betrieben von AI’s werden Cocktails auf dem Luxusliner „Quantum of the Seas“ von Roboterhand gemixt. Zusammen mit seinen Kollegen verbindet Ratti, der am MIT das Senseable City Lab leitet, innovative Technik mit Architektur und Wohndesign und lässt utopische Zukunftsvorstellungen á la Orwell Wirklichkeit werden.

Per App wird das Office zur Wohlfühloase

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auf dem Grundriss kann man die idealen Temperaturverhältnisse erkennen

Das Büro Carlo Ratti Associati wurde 2016 von der Turiner Fondazione Giovanni Agnelli mit dem Umbau der Stiftungsvilla aus dem frühen 20. Jahrhundert beauftragt. Warum sollten wir in der digitalen Welt überhaupt noch ins Office gehen, fragte sich Rossi zu Beginn der Sanierung und fand eine simple wie plausible Antwort: „The key answer to that question lies in human interaction. The central idea behind the Agnelli Foundation project is that by seamlessly integrating digital technologies within the physical space, we can forge better relationships between people and with the building they inhabit, ultimately fostering interaction and creativity. This is what we call Office 3.0. It’s a vision that overcomes the limitations of the pre-Internet spaces as well as the alienating isolation of tele-working”.

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Das Office 3.0

Was Ratti als Office 3.0 bezeichnet, ist die Vernetzung aller Mitarbeiter über eine App, die zu einem besseren Workflow beiträgt, indem sie das Office in eine persönliche Wohlfühloase verwandelt. Über eine Smartphone-App checken die Mitarbeiter in das Office 3.0 ein und können darüber auf ihre Umgebung individuell Einfluss nehmen. Zusammen mit Siemens Italia designte Rossi dafür ein reaktionsfähiges System aus hunderten Sensoren, die das ganze Gebäude erfassen und u.a. die Temperatur, Licht, Klimaanlage und Meetingräume überwachen. Das System liefert aus den Daten für jeden Mitarbeiter eine individuell zugeschnitten virtuelle Blase, via Tracking folgen beispielsweise die Einstellungen für Licht und Temperatur den Mitarbeitern dann durch das ganze Gebäude. Unter diesen optimalen Bedingungen können die Mitarbeiter ohne Ablenkung ihren Tätigkeiten nachgehen und sich bei Bedarf darüber schnell connecten. Befinden sie aktuell keine Mitarbeiter in einem Raum, fährt das System auf den Standby Mode zurück und spart dadurch Energie und Kosten ein. Nach Angaben des Büros immerhin bis zum 40% des Verbrauchs ohne responsible system!

Rossi sieht nicht etwas im Homeoffice mit flexiblen Arbeitsbedingungen und –zeiten und digitalen Meetingräumen die Zukunft unserer Arbeitswelt, sondern hält an der direkten Interaktion und Teamwork fest. Mit dem Office 3.0 entwickelte er zusammen mit seinen Kollegen ein zukunftsweisendes System, was sich den unterschiedlichen Nutzern, Altersgruppen und Nutzungen eines Gebäudes flexibel anpasst und für alle, die zusammen unter einem Dach arbeiten, optimale Arbeitsbedingungen schafft.

Text: Lina Louisa Kraemer

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