Auch wenn Bernd Stromberg nicht der hellste Stern am Führungsfirmament war, hatte er doch seine klaren Momente an seinem Schreibtisch. Selbst als personifizierte Geißel aller Büroangestellten wusste er, wie wichtig es ist, seine Mitarbeiter bei Laune zu halten. Vor allem in Zeiten von Fachkräftemangel und demographischem Wandel, zählen Motivation und Mitarbeiterzufriedenheit zu den wertvollsten Assets am Schreibtisch eines jeden Mitarbeiters. Aber in diesem Beitrag geht es nicht um Image oder Unternehmenskultur. Es geht um Produktivität.

Die Psychologin Alice M. Isen hat in einer Studie für das Journal of Consumer Psychology gezeigt, dass im Gegensatz zu ihren frustrierten Kollegen, glückliche Mitarbeiter Informationen anders im Gehirn verarbeiten. Die Ergebnisse zeigten auch, dass glückliche Angestellte sorgfältigere, flexiblere und effizientere Entscheidungen treffen. Nach Isen gehen sie ebenfalls weniger unkalkulierbaren Risiken ein und sind gleichzeitig kreativer.

Darüber hinaus wirkt sich ihre Einstellung positiv auf ihre Kommunikation und Arbeitsweise aus. Sie gehen offener auf Aufgaben und Kollegen zu und respektieren andere Meinungen und Einstellungen. Dadurch sind sie eher gewillt, um die Ecke zu denken und innovative Lösungen zu finden. Außerdem schafften sie es, die Kundenzufriedenheit mit ihrer freundlichen und zuvorkommenden Art zu steigern.

Die Frage lautet jetzt also nicht, ob es sich lohnt, sondern wie du es schaffst, deine Mitarbeiter glücklich zu machen. Nun, die Generation Y lässt sich nur schwer mit einem Dienstwagen samt Firmenparkplatz aus der Reserve locken. Aber bei Technik werden diese Digital Natives plötzlich hellhörig.

Die wichtigsten Glücksmotivatoren – Wunsch…

Laut Umfragen von StepStone und dem Personaldienstleister Manpower zählen neben Klassikern wie: angemessener Vergütung, gutem Betriebsklima, offener Unternehmenskultur, sowie ausgeglichener Work-Life-Balance eine moderne und individuelle Arbeitsausstattung zu den Top-Ten Wunschfaktoren der Mitarbeiter.

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Dabei würden über 30% der Befragten weniger Vorschriften beim Einrichten ihres Arbeitsplatzes bevorzugen und fast 45% wünschen sich „moderne“ und „ansprechende“ Büromöbel. Aber wie sieht die Arbeitsplatzgestaltung heute überwiegend aus?

… und Wirklichkeit

Der renommierte Büromöbelhersteller Haworth beschreibt in seiner „Workplace Design Tips for Well-Being“ Fallstudie folgende Situation: „Üblicherweise ist Bürodesign auf nur einen Mitarbeiteraspekt fokussiert – die Produktivität. Aber diese Sichtweise wird zunehmend, um eine ganzheitliche und personenzentrierte Perspektive erweitert. Heute glauben wir, dass der Arbeitsplatz nicht nur aktiv zur Förderung des Wohlbefindens und der geistigen und körperlichen Gesundheit beitragen kann, sondern auch zu produktiveren, engagierteren und gesünderen Mitarbeitern.“.

Weiterhin heißt es in der Studie, dass „die Produktivität als übergeordnetes Ziel gut mit der arbeitszentrierten Babyboomer-Mentalität vereinbar war. Somit waren Büroausstattungen nicht auf den Menschen, sondern überwiegend auf seine Aufgaben und Fähigkeiten ausgerichtet.“. Die Generation Y gibt sich nicht mit der schlichten Trennung von Arbeit und Privatleben zufrieden. Sie kommen mit einer persönlicheren und holistischen Arbeitsauffassung ins Büro.“. Und dafür brauchen sie eine angemessene Arbeitsausstattung, die sie nicht nur als Ressource, sondern als Mensch begreift. Und hier kommt die Technik ins Spiel.

Die Sensortechnik: Butler, Therapeut und Big Brother im Büro

Kommen wir nun zur Lösung des Dilemmas, wie man die Produktivität erhöht und die Mitarbeiter glücklich macht? Man lässt sie arbeiten. Das heißt man schafft optimale Arbeitsbedingungen, die es ihnen erlauben, sich voll und ganz auf das Wesentliche zu konzentrieren. Hier setzt Haworth auf Sensortechnologie und Datenerfassung. In Ihrer Studie „Enabling the Organic Workspace®: Emerging

Technologies that Focus on People, Not Just Space“ optimieren intelligente und vernetzte Systeme, in Echtzeit den Raum, die Umweltbedingungen und die Mitarbeiterbedürfnisse im Büro. Hierfür werden die Büros ausgiebig mit Sensoren ausgestattet, die unsere Arbeitsabläufe, Bewegungsmuster, Vorlieben und etliche andere Daten sammeln. Gleichzeitig analysiert das intelligente System das Verhalten der Mitarbeiter und stellen sich vorausschauend auf sie ein. Ein Beispiel: dein Mitarbeiter trifft an seinem Platz ein und Raumluft, Temperatur und Beleuchtung stellen sich automatisch auf seine individuellen Bedürfnisse ein. Sensoren im Stuhl prüfen seine Sitzhaltung und Stresslevel und sagen ihm, wann er sich bewegen sollte. Und bei dicker Luft im Konferenzraum, aktivieren die Sensoren die Lüftung oder schlagen eine Pause vor – je nachdem, ob der CO2-Wert oder der Stresslevel in den Stimmen zu heftig ausschlägt.

Der Arbeitsraumexperte Stephan Derr sieht die Zukunft ebenfalls in solchen Sensorvernetzten-Systemen. In einem Interview mit der Zeit geht Derr aber auch auf weitere Konzepte ein: „Alle Arbeitsplätze haben Technologien integriert, die konzentriertes Arbeiten unterstützten und dafür sorgen, dass unsere Mitarbeiter nicht von Lärm, Unterbrechungen, Licht oder Temperaturen abgelenkt werden… Es gibt beispielsweise die ‚Brody Work Lounge‘: Hier sitzt der Mitarbeiter geschützt von drei Wänden an einem integrierten, aber schwenkbaren Tisch. Ein rotes Licht zeigt für andere an, dass der Platz besetzt ist. Gestört werden Mitarbeiter hier nicht, denn jeder weiß, dass diese Plätze zum konzentrierten Arbeiten genutzt werden.“.

Von SmartHome zu SmartOffice

Der Gedanke diese Technik im Büro zu installieren mag zunächst etwas befremdlich erscheinen. Dabei hat sie längst Einzug in unser Leben erhalten: in SmartHome-Systemen, Fahrassistenten oder als tragbare Fitnesstracker. Dennoch muss man darauf achten, bei diesem Grad an Überwachung und Datenerfassung nicht die Privatsphäre der Mitarbeiter zu verletzen. Hierfür hält Stephan Derr folgende Lösung parat: „Anhand der Sensoren möchten wir besser verstehen, wie ein Raum Kommunikation, Zusammenarbeit, Technologie und Arbeitsprozesse unterstützt und wie Mitarbeiter interagieren. Weil uns die Achtung und Respekt und Privatsphäre von größter Bedeutung sind, werden alle Daten auf den Sensoren anonym erfasst. Die Interaktionen von Einzelpersonen werden zu teamübergreifenden Daten verknüpft und lediglich zusammengefasst analysiert. Zukünftig helfen solche Sensoren den Mitarbeitern dabei, bestmöglich zu arbeiten, da wir das Design und die Applikationen ideal auf ihre Bedürfnisse anpassen können.“.

Wie du siehst, ist die gute Laune deiner Mitarbeiter eine erstzunehmende Angelegenheit. Selbstredend kannst du dieses Vorhaben auch mit dem obligatorischen Kicker und ein paar Kästen Bier in Angriff nehmen. Aber unsere Empfehlung ist: nimm dir die Zeit, dich mit dem Thema und der Technik auseinanderzusetzen und verbuche sie als Investition in zukünftige Standards und den Unternehmenserfolg.

 

Text: Oleg Faber

Bildquellen: Stepstone & 99chairs

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