„In unserem Büro auf St. Pauli gibt es keine Stühle. Gesessen wird vor der Tür, an der frischen Luft.“

Klingt verrückt? Das dachten wir auch, als wir Jannik von STEHAUFMAENNCHEN das erste Mal kennengelernt haben. Gemeinsam mit seinem Studienfreund Johannes wollte er Wege finden was Eigenes zu schaffen, die eigene Lebensphilosophie zu verbreiten und dabei die Fesseln zum Schreibtisch zu lösen.
Heute vertreiben die beiden eine kleine aber feine Auswahl an Produkten, die den Arbeitsalltag flexibler gestaltet und coachen Unternehmen aktiv vor Ort.
In unserem Interview verrät Jannik wie die Idee entstanden ist, welche Mission die beiden Nordlichter verfolgen und wie er das Arbeiten der Zukunft sieht.

Lehnt euch also zurück… oder nein, lest das Interview doch einfach mal im Stehen.

War “STEHAUFMAENNCHEN” eine spontane Idee beim Studium in Holland oder ein langer Findungsprozess?

STEHAUFMAENNCHEN war keine spontane Idee, viel mehr ein Prozess. Johannes und ich bemerkten nach ersten Erfahrungen in der freien Wirtschaft, dass wir unser Ideal von Arbeit und der damit verbundenen Arbeitswelt nur weiterdenken können, wenn wir selbst kräftig anpacken. Ich kam nach einer langen Nacht in Leipzig in die Wohnung eines Freundes, es war schon hell, und bekam einen Anruf von Johannes, es ging um die Idee zu unserem ersten Produkt, das auch unseren Firmennamen trägt: So haben wir STEHAUFMAENNCHEN in die Welt gerufen.

Früher haben wir gemeinsam alte Rennräder restauriert und uns so während der Studienzeit den einen oder anderen Euro dazuverdient.
STEHAUFMAENNCHEN hat sich heute mit enormer Dynamik von einem innovativen ‚one product-onlineshop‘ zu einem Gesamtkonzept entwickelt, welches auf die neue Arbeitsrealität – Stichwort New Work – zugeschnitten ist.

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Arbeiten an Stehtischen soll mindestens genauso Gesundheitsfördernd sein wie der Arbeitsweg auf dem Fahrrad

Wie seid ihr überhaupt auf die Idee gekommen?

Wir waren beide schon immer sehr aktive, sportliche Menschen. Das Gefühl an den Schreibtisch gefesselt zu sein, erschien uns also nicht gerade attraktiv.

Wir haben uns umgeschaut nach etwas, das jedem ermöglicht bei der Arbeit zu stehen. Nach reichlich Recherchearbeit haben wir ein paar interessante Innovationen zur Arbeitsflächenerhöhung gefunden. Diese wollten wir dann auf nachhaltige Art und Weise für den deutschen Markt zugänglich machen.

 

‚Für uns darf Steharbeit kein Luxus sein, alle sollen die Möglichkeit haben so zu arbeiten wie unser Körper es verlangt. Leider wird viel zu oft, auch aus Kostengründen, reaktiv und nicht präventiv gehandelt, wenn uns um die Gesundheit am Arbeitsplatz geht.‘

 

Sitzen “Stehaufmännchen” gar nicht mehr? Und ist das wirklich gesund?

Ich glaube mittlerweile zu einem Hardliner geworden zu sein, wenn es um das Thema Steharbeit geht. In unserem Büro auf St. Pauli, das wir übrigens als kleinen Coworking Space (STANDWERK),für alle Interessierten jederzeit kostenlos zur Verfügung stellen, gibt es keine Stühle. Gesessen wird vor der Tür, an der frischen Luft.

Damit sind wir natürlich ein Stück von unserer Predigt des Ergonomischen Dreisatzes; 60% dynamisches Sitzen, 30% flexibles Stehen und 10% kurze Botengänge entfernt.

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Bloß stehen ist dir nicht sportlich genug? Ein beweglicher Untergrund hält dich auf Trapp.

Und mal ganz ehrlich, habt ihr nicht auch mal Tage an denen ihr euch einfach nur in einen Stuhl lümmeln wollt? Stichwort – Hangover.

Tatsächlich hat uns das Stehen bei der Arbeit, die ja nun mal einen Großteil unserer Zeit einnimmt, körperlich fitter gemacht. Einem typischen Hangover-Tag versuche ich persönlich immer mit einer Hamburger Brise an der Elbe entgegenzuwirken. Erstaunlicherweise hat sich nicht nur meine Muskulatur und mein Energieumsatz verändert, sondern auch mein generelles Befinden.

Eine gerade Wirbelsäule steht dabei auch für den Einklang von Körper und Geist, wie ich lernen durfte.


Wer sind denn heute eure “Stehaufmännchen” d.h. wen coacht ihr?

Wir versuchen an jedem Touchpoint mit dem Kunden aufklärend zu arbeiten. Das heißt bei Impulsvorträgen, Messeauftritten, in unserem eigenen Büro und natürlich auch bei Besuchen in Coworking Spaces oder bei Corporates bringen wir unser Ideal von guter Arbeit mit.

Ein starkes Beispiel ist die Firma Wollmilchsau aus Hamburg, dort haben wir das ganze Team mit Active Boards aus dem Hause STEHAUFMAENNCHEN ausgestattet. Bei einer Veranstaltung in Düsseldorf traf ich dann auf meinen Kontakt, der mir stolz berichtete, dass sich das ganze Team nun auch für Stehtische ausgesprochen habe und sie bereits ausgeliefert wurden. Nun sei unter den Mitarbeitern ein großer Hype um das Stehen und die höhere Produktivität und Aktivität am Arbeitsplatz entstanden. Man tausche sich mehrfach täglich aus. Da geht mein Herz natürlich auf.


Hat unsere Körperhaltung nur Einfluss auf die physische oder auch die psychische Verfassung?

Eine gute Physis ist oft der Schlüssel zu einer guten psychischen Verfassung, unser Körper ist sensibel wenn es um unsere Gesundheit geht. Es geht darum Signale zu deuten, damit frühzeitig auf drohende Probleme reagiert werden kann. Ich verweise auf das Stichwort Prävention.

Wie bereits in der letzten Frage angedeutet, wirkt sich die körperliche Ausgeglichenheit auch auf die menschliche Psyche aus. Die Körperhaltung spielt an dieser Stelle eine entscheidende Rolle. Da eine gerade Wirbelsäule den Blutfluss fördert, werden die beiden Volkskrankheiten Rücken- und Kopfschmerzen vorgebeugt.

Meiner Meinung nach kann ein Mensch nur dann 100% leisten, wenn er auch zu 100% gesund ist. Ein Faktor, der maßgeblich über wirtschaftlichen Erfolg bestimmt.

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Wir kennen es alle: der unkontrollierte krumme Rücken an einem langen Arbeitstag

Glaubst du in Zukunft wird überhaupt noch jemand 8h am Tag am Schreibtisch sitzen? Wo geht die Reise hin?

Ein klares – nein!

Das Büro der Zukunft hat mit den eingestaubten Großraumbüros oder Cubicles herzlich wenig zu tun. Wir alle werden viel weniger an einem Ort arbeiten, als das vielleicht noch vor 10 Jahren der Fall war. Auch die großen Corporates haben mittlerweile begriffen, dass ein Großteil der Mitarbeiterzufriedenheit von den Arbeitsbedingungen abhängt. Ein flexibler Arbeitsort und selbstbestimmte Arbeitszeiten sind für mich der Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg, eine ausgewogene Mischung ist hier gefragt. So werden, die für mich entscheidenden Erfolgsfaktoren, Gesundheit, Freiheit und Motivation gefördert.

Außerdem bin ich davon überzeugt, dass unsere Gesellschaft, mit +18 Millionen Büroarbeitsplätzen, für sich realisiert hat, dass 8 Stunden am Arbeitsplatz zu sitzen, um dabei Zeit totzuschlagen, ein Modell der Vergangenheit ist. Nicht umsonst schauen etablierte Unternehmen mit staunendem Gesichtsausdruck auf die rasante Geschwindigkeit junger Unternehmen, die für mich klar den Innovationsgrad unserer Wirtschaft bestimmen.

Selbstbestimmung geht über Fremdbestimmung, nicht zuletzt bei der Gestaltung des Arbeitstages.

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Kleine Gebrauchsanweisung für alle Neuankömmlinge

Kannst du dir eine Woche “Beachoffice” in der Hängematte vorstellen?

Aber hallo, wer kann das nicht!? Allerdings würde ich es mir schon erlauben die eine oder andere Stunde im Stehen arbeitend an einer Bar, mit einer Kokosnuss in der Hand, zu verbringen. Da sollte die Fantasie keine Grenzen kennen.

Hast du zum Abschluss eine kleine Challenge für unsere Leser, die sie im Arbeitsalltag angehen können?

Selbstverständlich.

Liebe Leser, probiert mal aus Euch morgens die ersten 30-60min im Stehen um die ungelesenen Mails zu kümmern oder erste Telefonate zu führen. Das Gleiche wiederholt Ihr vor allem nach der Mittagspause, die ihr möglichst an der frischen Luft mit einem kurzen Spaziergang verbindet.

Der Einstieg am morgen und Wiedereinstieg nach dem Essen sind die wichtigsten Zeitpunkte eures Arbeitstag. Mit dieser Routine werdet ihr besser und effektiver in dem was ihr tut.

Allerdings fängt ein ausgeglichener Arbeitsalltag schon mit dem Weg ins Büro an, ich stehe in der Bahn oder fahre mit dem Rad. Ich nehme in 90% der Fälle eine Treppe, aus Überzeugung. Sitzen ist eine Schonhaltung, sie nicht euren Büroalltag, sondern nach Feierabend den Abend auf der Couch bestimmen.

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Jannik von STEHAUFMAENNCHEN

 

Interview: Nicole & STEHAUFMAENNCHEN

Bilder: 99chairs & STEHAUFMAENNCHEN

 

 

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